

PARIS
LUST & LEIDENSCHAFT
Denkt man an Frankreich, denkt man zuerst an weiches Baguette, cremigen Camembert und trockenen Bordeaux – und natürlich an das romantisierte Paris oder die von Prominenten belagerte Côte d’Azur. Und Frankreichs Nationalstolz, der Hochgeschwindigkeitszug TGV, verbindet in guten fünf Stunden die politische Zentrale und geschäftige Metropole im Norden mit der vom Savoir-vivre geprägten französischen Riviera im Süden.
IM ZENTRUM DER LUST
Paris gehört weltweit zu den Städten mit der größten Szene – sowohl für Männer als auch für Frauen. Die Szene ist ausgereift und expandiert in der Stadt an immer neuen Orten, doch das Zentrum der Pariser Szene ist nach wie vor der Stadtteil Marais. Hier hat die Szene ihre Buchläden, Kunstgalerien, Theater, Restaurants, Shops, Sexclubs und vor allem Männer. Zudem ist überall in der Stadt reichlich Szeneliteratur vorhanden, die detailliert über alle Veranstaltungen, Termine und Locations informiert. Apropos Sexcubs: Sie sind jenseits von sexuell. „Bestialisch“ trifft es schon eher. Allerdings kommt alles erst voll in Gang, wenn der frühe Morgen anbricht, aber wer diese Spielart der Szene mag, wird weinen, wenn es Zeit ist nach Hause zu gehen. Und da ist noch etwas: Wer noch nie Sex mit einem Franzosen hatte, der hatte noch keinen Sex. Diese Lippen, die Küsse, der Akzent ... Wie mit Essen, Mode und Flugzeugdesign gibt es nichts Vergleichbares mit der Leidenschaft eines Franzosen, und die Hauptstadt Paris ist das Epizentrum französischer Kultur. Paris erfüllt alle Wünsche, egal ob sexuelle, sinnliche oder die nach fantastischer Schokolade. Der Status der Metropole als das Zentrum für Mode, Design, Bildung, Kultur und Wissenschaft steigert zusätzlich ihre Attraktivität. Nicht alle Pariser sind eingefleischte Hedonisten. Die meisten arbeiten hart, weshalb die Partys wochentags etwas lau anmuten. Sonntag jedoch ist der Tag Gottes, und es finden dann Partys statt, nach denen man auf die Knie fallen und nach mehr flehen wird. Es braucht anschließend eine Woche, um sich davon zu erholen – wahrscheinlich der Grund, weshalb der Louvre erbaut wurde.
IM STILLEN GENIESSEN
Für Hedonisten gibt es kaum etwas Dekadenteres, als einen Nachmittag mit Schokolade in einem luxuriösen Hotelzimmer zu verbringen – eine weitere Pariser Spezialität. Obwohl die Zimmerpreise schwindelerregende Höhen erreichen können, bleiben die Erinnerungen an den exzellenten Service und an das unvergleichliche Ambiente noch lange nach der Kreditkartenabrechnung erhalten. Das Hôtel Saint James ist ein privates Hotel mit einem Club inmitten des verschwiegen-charmanten sechzehnten Arrondissements. Gleich in der Nähe der berühmten Avenue Foch ist Saint James das einzige Hotel der Stadt im Château-Stil. Das Dachgeschoss, besteht aus acht Zimmern mit einer glasüberdachten Innenterrasse, die sich perfekt für eine etwas größere Party mit Freunden und netten Boys eignet. WWW.SAINT-JAMES-PARIS.COM
Le Meurice, einer der berühmtesten Hotelnamen der Welt, befindet sich in einer hervorragenden Lage mit Aussicht auf den Louvre und die Tuilerien, die bereits seit Jahrhunderten auch dem Cruising dienen. Le Meurice ist ein viel intimeres Hotel als man aufgrund der Reputation glauben mag. Bei gerade mal sechzig Gästezimmern wundert es nicht, dass es so begehrt ist. Einen Katzensprung vom Hotel entfernt findet man Jadis et Gourmande (27, rue Boissy d’Anglais). Es ist DIE Adresse der Stadt für maßgefertigte Botschaften, geschrieben mit Schokolade auf einer delikaten Gianduja-Nougat-Masse. Gibt es einen schöneren Weg, um zu sagen: „J’adore mon chéri, baiser“? WWW.MEURICEHOTEL.COM
PARISFÜHRER FÜR SCHOKOHOLICS
La Maison du Chocolat (8, boulevard de la Madeleine und andere Adressen) war in Paris lange der am meisten verehrte Chocolatier. Die strategisch günstig platzierten Filialen in gutbürgerlichen Nachbarschaften offerieren eine auserlesene Vielfalt an Ganaches (Mischung aus Schokolade, Sahne oder feiner Butter) in speziellen Geschmacksrichtungen wie Fenchel oder Armagnac ebenso wie edelsten Kuchen und Gebäck. WWW.LAMAISONDUCHOCOLAT.COM
Cacao et Chocolat (36, rue Vieille du Temple und andere Adressen), wo seltene Kakaobohnen zum Probieren angeboten werden, ist eine der meistbesuchten Boutiquen im Marais. Unbedingt empfehlenswert ist Zope, eine sinnliche Ganache, überzogen mit Honig und Cayennepfeffer. WWW.CACAOETCHOCOLAT.COM
Sucrécacao (89, avenue Gambetta) in der Nähe des berühmten Friedhofs Père Lachaise ist ein bescheidener Laden des Pâtissier-Chocolatier-Meisters James Berthier. Er bietet exotisch aromatisierte Nudeln aus Früchten (Grapefruit, Lychee, und Tee) neben feinstem Gebäck und exzellenten Schokoladen. WWW.SUCRECACAO.COM
Chocolats Mussy (8, rue du Bourg Tibourg) in dem nach Schokolade verrückten Marais produziert eine exquisite Pralinécreme, bekannt als Mussyline. Außerdem kreiert Mussy preisdotierte Karamells, die Zahnplomben da lassen, wo sie hingehören. WWW.CHOCOLATSMUSSY.COM
Angelina (226, rue de Rivoli) serviert heiße Schokolade als „chocolat chaud à l’africaine“ in einem Stil, der angemessen erscheint für das genussvollste braune Getränk. Das Geschäft befindet sich direkt am Hotel Le Meurice – wie praktisch. •ROBERT LA BUA, ml, oa
DISNEYLAND PARIS
Nur vierzig Bahnminuten von Paris entfernt liegt der europäische Ableger von Disneyland. Obwohl der Vergnügungspark primär Kinderträume bedient, werden auch die Bin-schon-aus-dem-Alter-raus-Besucher von Mickey Mouse liebevoll empfangen. Wem diese Art der Harmonie fremd ist, der kann auch etwas Disharmonisches erleben, beispielsweise auf dem „Rocking Rollercoaster“: Das ist die einzige Achterbahn, bei der man mit der doppelten Erdbeschleunigung von 2 G hinaus in den Loop geschossen wird. Wer auch noch über einen nervösen Magen verfügt und sich mit Daisy Duck partout nicht anfreunden möchte, der kann im Outlet Shopping Village Designerkollektionen aus dem Vorjahr erwerben. Bei einem Preisnachlass von mindestens 33 Prozent bekommt man ganz sicher ein Dauergrinsen verpasst. Dieses kann man ruhig weitertragen, vor allem zum beliebten Gay Day, der bislang immer im Oktober zeitgleich mit seinem Namensvetter in Florida stattfand. Weder Spaß noch volle Tüten mit Designerklamotten gehabt? Dann ist vielleicht die „Nuit Blanche“ in Paris das Richtige, um auf seine Kosten zu kommen. Das Konzept ähnelt stark jenen aus anderen Ländern: Dutzende von kulturellen Einrichtungen sind die ganze Nacht geöffnet und auf Wunsch auch auf Touren zu besichtigen. Mit dazu gehört das üblicherweise nicht öffentlich zugängliche Pariser Rathaus, wo der Sponsor Piper-Heidsieck ein rauschendes Fest feiert. •oa WWW.DISNEYLANDPARIS.COM
SCHWUL UND GÜNSTIG
Notre-Dame, der Eiffelturm, das berüchtigte Rotlichtviertel mit dem noch berühmteren Moulin Rouge, die Seine, ja sogar verglaste öffentliche Toiletten gibt es in der Hauptstadt des Baguettes und der guten Weine zu sehen. Doch wirklich interessant sind die eher unbekannten Sehenswürdigkeiten von denen manchmal sogar die Pariser selbst noch nichts gehört haben. Wer beispielsweise seine Markenkenntnisse auf Vordermann bringen will, sollte sich ins Musée de la contrefaçon begeben: Dort lernt man Luxusartikel von billigen Plagiaten zu unterscheiden. Preiswert, aber echt, sind auch die beiden Hotels, die wir für dich ausgespäht haben.
A PINK FROGGY
Schon der Name weist darauf hin, dass es sich bei dieser Unterkunft um ein schwulenfreundliches Haus handelt. Das Hotel in unmittelbarer Nähe zum schwulen Kiez der französischen Hauptstadt zeigt sich bescheiden – vor allem im Preis. So kostet dich das Doppelzimmer gerade mal 50 Euro. Ein Schnäppchen im Vergleich zu den anderen Angeboten in Paris. Für die mickrigen Kosten muss sich der Gast allerdings auch die Sanitäranlagen teilen. Ansonsten gibt es aber am Pink Froggy nichts zu bemängeln. Betten und Räumlichkeiten erscheinen freundlich, TV und Homo-Videos stehen parat, und direkt vor der Haustür warten die unterschiedlichsten Restaurants – von China bis hin zur Türkei sind hier aller Herren Länder vertreten. WWW.APINKFROGGY.ORG
CENTRAL HOTEL
Zwischen 70 und 80 Euro bezahlst du für das Doppelzimmer im Central und bist damit ziemlich gut bedient. Gelegen im Künstlerviertel hat das Hotel alles zu bieten, was man sich als Tourist wünscht. Gemütlich eingerichtete Zimmer, ein netter Service und keine 5 Minuten zur nächsten Metro Station überzeugen ebenso, wie das günstige Frühstück, das ab 6 Euro zu haben ist. Zum Vergleich: eine Tasse Kaffee für 4 Euro geht in Paris schon als ziemlich günstig durch. WWW.CENTRAL-HOTEL-PARIS.COM
ANREISE
Ob man die Reise zum Eiffelturm per Zug oder lieber mit dem Flugzeug antritt, ist selbstverständlich jedem selbst überlassen. Bei knapp bemessenem Budget sollte man sich aber in jedem Fall für den Luftweg entscheiden. Nicht nur, dass der Flieger wesentlich kürzer unterwegs ist, auch preislich kommt dein Portemonnaie hier am besten weg. Mit 128 Euro bietet Air France Hin- und Rückflug bereits inklusive der Steuern an. Bei der Bahn lässt man fast das Doppelte an Geld und ist obendrein noch länger auf Reise. Fliegt man mit der französischen Linie von Hauptstadt nach Hauptstadt, sollte man sich allerdings schon im Vorfeld um den Transfer kümmern. Auf PARIS-SHUTTLE.COM sind kleine Busse vorab zu buchen. Mit einem Angebot von 14 Euro für die Fahrt ins Zentrum ist der Service um einiges günstiger als die Taxifahrt, die mit 34 Euro zu Buche schlägt. WWW.AIRFRANCE.COM •fj
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