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PEKING

WAS HAT PEKING, WAS SHANGHAI NICHT HAT?

Durch die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2008 will die Hauptstadt des kommunistischen China zur kosmopolitischen Drehscheibe für Wirtschaft, Kultur und Freizeit avancieren. Während Shanghai als Chinas Wirtschafts-, Unterhaltungs- und Kreativzentrum gilt, mit schnelllebigem Lifestyle und hungrig nach neuen Inspirationen von außerhalb, musste sich Peking immer mit der Rolle der Kultur- und Politikhauptstadt des bevölkerungsreichsten Landes der Erde begnügen.

KULTUR VS. FREIHEIT

Allein schon beim Betrachten des Verkehrs beider Städte, sieht man in Peking unzählige schwarze Audi-A6-Limousinen, das beliebteste Gefährt der Politik-Eite, während in Shanghai viele hochklassige Limousinen deutscher, amerikanischer oder japanischer Autohersteller zu sehen sind. Diese schwarzen A6-Limousinen in Peking ignorieren meistens rote Ampeln, halten sich nicht an Verkehrsregeln und sind rücksichtslos im Verkehr – all das vor den Augen der Polizei. In Shanghai hingegen stecken alle stundenlang im Stau. Wegen des politischen Umfelds scheint Peking unter stärkerer Gesetzeskontrolle zu stehen und eine introvertiert intellektuelle Rolle zu spielen im Vergleich zum tendenziell protzigen und offenen Shanghai.
Beide Metropolen haben sich in den letzten Jahren verändert: Shanghai mehr in eine aufregend fortschrittliche und unkontrollierte Richtung, während Peking sich aufpolierte, speziell die beeindruckenden historischen und kulturellen Anlagen und auch die Infrastruktur.
Die Verbotene Stadt inmitten der City ist sicherlich das kulturelle Highlight und ein Muss für jeden Besucher Pekings. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Chinesische Mauer außerhalb der Hauptstadt. Es empfiehlt sich, auf einem eintägigen Ausflug die nächstgelegenen Mauerabschnitte mit einem Besuch der Ming-Grabstätten zu kombinieren.
Durch die herannahenden Olympischen Spiele 2008 verändert sich die Stadt noch rapider: Ganze Straßenzüge wurden niedergewalzt, riesige Einkaufszentren entstehen in Handumdrehen, und futuristische Bauten weltberühmter Architekten sprießen überall in der Stadt aus dem Boden. Sir Norman Foster arbeitet am Ausbau des Pekinger International Airport und sein niederländischer Kollege Rem Koolhaas entwarf das neue Z, den Hauptsitz für Chinas Staatsfernsehen CCTV. Olympia ist mal wieder Antriebsmotor für prestigeträchtige und atemberaubende Architekturprojekte wie das Olympische Schwimmzentrum des australischen Architekturbüros PTW oder das Olympische Stadion, bekannt als Vogelnest, der Pritzker-Preisträger Herzog & de Meuron.
Die Regierung hat sogar eine Kampagne gestartet gegen das Fluchen, Spucken und gegen Abfälle in der Öffentlichkeit. Pekings Taxifahrer dürfen nur dann ihre Lizenzen behalten, wenn sie einen Englischkurs besucht und den Abschlusstest bestanden haben. Dank des Megaevents in 2008 werden nicht nur Neuerungen beschleunigt, sondern auch die Veränderungen in der Gesellschaft sichtbar.

VERSTECKEN & AUSLEBEN GLEICHZEITIG

Es gibt kein Gesetz gegen Schwule, doch unter dem wachsamen Blick der Regierung hat sich Pekings Szene nur schwach entwickelt. Insofern wundert es nicht, dass die Szene weder übertrieben noch übermäßig aktiv ist. Meistens lassen es die ansässigen Jungs ruhig angehen, treffen am Wochenende Freunde zum Chillen und Musikhören oder ziehen durch Clubs und Karaoke-Bars. Es gibt keine großen Outdoor-Partys, keine Ausflüge durch die Szene und nur wenige Ausgehmöglichkeiten für Szenegänger.
Peking ist vermutlich der männlichste schwule Ort Chinas. Es gibt keine auffällige Kleidung, kein tuntiges Gehabe und kaum Rumschlamperei. Die Jungs sind meistens direkt. Wenn sie eine Beziehung suchen, reagieren sie mit Distanz auf ein One-Night-Stand-Angebot. Wenn sie aber Sex wollen, fragen sie, ohne dabei rot zu werden. Es ist also ein Leichtes jemanden in den Clubs kennenzulernen, auch wenn dort viele Stricher verkehren.
Nichtsdestotrotz, aus Mangel an Szenelokalen gehen die Jungs auch in anderen Clubs, Bars und Restaurants freizügiger mit ihrer Sexualität um – ein Zeichen dafür, dass sich die Mentalität in Peking zum Positiven verändert. Andererseits folgen immer noch viele Schwule dem Wunsch ihrer Eltern zu heiraten, was eine weit verbreitete Haltung in Asien ist, denn: Je weniger aufgeschlossen und entwickelt ein Ort ist, desto mehr Tabus sind noch verbreitet. Deswegen können die Jungs in Peking abtauchen und sich verstecken, gleichzeitig aber auftauchen und sich ausleben.
Das Internet wurde zu einem der Hauptinstrumente der Szene, um sich zu verstecken und gleichzeitig auszuleben. Immer mehr nutzen ausländische Dating-Portale, um Kontakte zu knüpfen, sei es freundschaftliche Blind Dates oder um sich sexuell auszutoben, jenseits der Öffentlichkeit. Doch die Regierung reagiert immer noch nervös beim Thema Homosexualität und ließ den Zugang zu einigen schwulen Auslandsseiten blockieren.
Selbst die Regierung spielt das Spiel des Sich-Versteckens und Auslebens und erlaubte letztes Jahr einer hochrangigen Universität die Veröffentlichung einer Studie über Schwule in China. In diesem Jahr wurden die ersten schwulenspezifischen Chat-Shows ausgestrahlt, auf den chinesischen Portalen SINA.COM, QQ.COM und MOP.COM. Ebenso feierte die Videoseite PHOENIXTV.COM Premiere, die sich mit dem Thema Homosexualität in China auseinandersetzt.
Gleichzeitig gibt es immer noch Schikanen von Beamten und der Polizei, wie beispielsweise während des Pekinger schwullesbischen Filmfestivals im April 2005. Damals musste es von der Pekinger Universität in eine kleine Galerie am Stadtrand umziehen und schließlich wegen des zu hohen medialen Interesses schließen. Damals sei das Thema des Festivals mit den staatlichen Vorgaben nicht konform gegangen, wodurch die Pekinger Universität nicht als Austragungsort dienen durfte.
Chinas Bestreben zu den einflussreichsten Mächten der Welt aufzusteigen wird auch die Szene der Hauptstadt aufbessern. Mit den Olympischen Sommerspielen 2008 will sich China als starke und erfolgreiche Nation präsentieren, die der globalen Herausforderung gewachsen ist. Pekings langsame Fortschritte haben einen gewaltigen Aufschwung erfahren und es wird sicherlich spannend, sie zu entdecken.

INFO

WHERE TO STAY?

THE REGENT BEIJING (THEREGENTHOTELS.COM) and THE WESTIN BEIJING (STARWOOD.COM) bieten den modernsten 5-Sterne-Look. Kitsch aus der Zeit der Kulturellen Revolution kombiniert mit Antiquitäten aus der Qing-Dynastie bietet THE RED CAPITAL RESIDENCE (REDCAPITALCLUB.COM.CN) in luxuriösen Innenhofzimmern. Perfekt gelegen im Stadtteil Dongsi, nahe der Verbotenen Stadt.

BEST NIGHTLIFE SPOT

DESTINATION ist der einzige Club im westlichen Stil, mit einer Tanzfläche und kuscheliger Cocktail-Lounge samt internationalem Publikum. BJDESTINATION.COM
NIGHTMAN DISCO ist ein riesiger, gemischter Club mit internationaler Musik – und besonders freitags und samstags von der Szene frequentiert. Ausländer, die ihren Ausweis zeigen, bekommen freien Eintritt. International Exhibition Center, 2 Xibahe Nanli, Chaoyang District

BEST RESTAURANT

THE COURTYARD ist ein Premiumrestaurant mit internationaler Küche und beeindruckender Aussicht auf die Verbotene Stadt: 95 Donghuamen Lu, Dongcheng District. THE PINK LOFT in 6 Sanlitun South Street ist ein trendiger Ort auf mehreren Ebenen mit asiatischer Fusion-Küche und großartigem Innendesign.

BEST TO RELAX

Das exklusive SPA DE FEND nur für Männer ist ein chinesisch-französisches Spa mit bestens ausgebildeten männlichen Therapeuten. Hier werden traditionelle Behandlungsmethoden mit modernen Techniken kombiniert und luxuriöse Hautprodukte verwendet. LINFENGSPA.COM

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