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18. Aug 2009 | Gesellschaft

 
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NACHGEFRAGT - UMFRAGE MANIPULIERT?

Harter Tobak, den es beim Internetportal queer.de über das schwule Antigewaltprojekt MANEO zu lesen gab. Angeblich bestünde der Verdacht, dass „die Fragebögen des Berliner Überfalltelefons zu antischwuler Gewalt mehrfach mit falschen Angaben ausgefüllt (wurden), um Stimmung gegen Ausländer zu machen“. Wir fragten bei MANEO-Projektleiter Bastian Finke nach.

WAS SAGST DU ZU DEM GERÜCHT, DASS DIE LETZTE MANEO-UMFRAGEN VON BEFRAGTEN MANIPULIERT WORDEN SEIN KÖNNTE?
Wir sehen keinen Anlass, einem solchen Gerücht zu glauben, zumal sich der Journalist hier auf eine anonyme Quelle beruft und kurz darauf erklärt: „Einen Beweis für die Manipulation der MANEO-Studie liefert die anonyme Quelle nicht, Rückfragen sind nicht möglich“. Spätestens hier fragt sich doch jeder: Ja, was soll denn das? Sicher gibt es in jeder Umfrage Leute, die falsche Angaben machen. In vielen Fällen bekommen wir das aber raus, weil sich Widersprüche auftun. Entsprechend wird hier statistisch bereinigt. Darin sind unsere renommierten Soziologen, die unsere Umfrage wissenschaftlich begleitet haben, sehr erfahren. Leute, die versuchen, Umfragen zu manipulieren, sind meist keine guten Fälscher. Angeblich soll es sich auch nicht um eine massenhafte Fälschung der Umfrage gehandelt haben. Wenn Einzelne dennoch gefälscht haben, bleiben das Einzelfälle, die sich angesichts der hohen Beteiligung ohnehin nicht nennenswert auf die Ergebnisse auswirken könnten. Schlimm ist ein Gesamteindruck, den der Artikel verbreitet: unsere erfahrenen Soziologen, Mitarbeiter, Unterstützer, Helfer, unser wissenschaftlicher Beirat, das MANEO-Projekt und unser Trägerverein Mann-O-Meter e.V., seien durch Betrüger leicht manipulierbar, dumm und einfach zu instrumentalisieren.

... ZUDEM NOCH DIE UNTERSTELLUNG, MAN HABE MANIPULIERT, UM MUSLIME ANZUGREIFEN ...
Das ist doch Humbug, außerdem, mit Verlaub, ein schlechter journalistischer Stil, mit dem hier Queer.de arbeitet. Der Redakteur arbeitet nicht sauber, konstruiert selbst das Szenario, das er anprangern will. Was soll das? Von Muslimen als Tätergruppe ist weder in der Umfrage noch im Bericht die Rede. In der zweiten MANEO-Umfrage wird zwar ein höherer Anteil an Gewaltbetroffenen im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung festgestellt, es wird jedoch kein Anstieg an Gewalt behauptet, auch nicht ein Anstieg an Gewalt, der Menschen mit Migrationshintergrund zugeordnet werden kann. Der Vergleich geht nicht, weil 1. repräsentative Umfragen in der schwulen Szene bislang gar nicht durchführbar sind und 2. auch ein Vergleich der Zahlen in beiden Umfragen methodisch nicht möglich ist. Darauf gehen wir in unserem Berichte jedoch ausführlich und differenziert ein. Ein Anstieg kann zwar stattgefunden haben, aber wir wissen es nicht genau. Der Autor inszeniert das Problem selbst. Er hätte die Ergebnisse unserer Studien, die wir online veröffentlicht haben, besser lesen sollen.

ES HEISST, DASS EURE ERHEBUNGEN ZU ANTISCHWULER GEWALT WENIG AUSSAGEKRAFT BESITZEN WÜRDEN?
Auch diese Aussage baut wieder auf eine selbstgebastelte Konstruktion. Die Aussagekraft, auf die wir uns stets bezogen haben, liegt in der hohen Teilnehmerzahl. Es ist bemerkenswert, wie viele Menschen sich an der Umfrage beteiligt haben. In diesem Zusammenhang ist es bereits erwähnenswert, wie viele von Vorfällen berichten und wie wenig von diesen Vorfällen angezeigt wurden. Ihre Aussagen haben wir analysiert. Es wurde von unserer Seite aus nie erklärt, dass es sich bei unserer Studie um eine repräsentative Studie handelt. Eine solche ist ja auch gar nicht möglich. Es gibt deswegen ja bislang auch keine und es wird sie vorerst auch nicht geben. Denn dazu müsste Homosexualität ein leicht und eindeutig abgrenzbares Merkmal sein, was es nicht ist. Von daher können wir nur auf eine hohe Beteiligung zielen und darauf unsere Aussagekraft beziehen. Das ist besser als gar keine Umfrage.

WAS WERDET IHR NUN TUN?
Wir werden unsere erfolgreiche Arbeit weiter fortsetzen. Wir leisten seit nahezu 20 Jahren qualifizierte Opferhilfe –übrigens waren 30% der Betroffenen, die wir beraten haben, nicht-deutscher Herkunft bzw. mit Migrationshintergrund; sie kamen u.a. aus Serbien, Rumänien, Türkei, Jemen, Marokko, Israel, Libanon, Pakistan usw. –, wir registrieren homophobe Übergriffe, die sich in Berlin und im Umlang ereignet haben, wir leisten Gewaltprävention und Aufklärung, weiter auch mit der Polizei, und wir mobilisieren gegen vorurteilsmotivierte homophobe Hassgewalt. Mit unserer Projektarbeit stehen wir gegen jede Form von vorurteilsmotivierter Hassgewalt. In unserer Arbeit werden wir von starken demokratischen Bündnispartnern unterstützt, aus allen gesellschaftlichen Gruppen, ob in Berlin, in Deutschland, in Europa, in Israel, in den USA, international.

•Interview: Michael Rädel

 

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